198 Unternehmen befragte die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e. V. für ihren diesjährigen Investitionsreport (darunter übrigens wieder weniger große Firmen, weil anders als im Vorjahr SAP bei der Umfrage nicht mehr im Boot war). Und obwohl fast alle schon – privat wie beruflich – mit genAI operieren, erstaunt doch, dass unter den SAP-Anwenderunternehmen knapp über die Hälfte noch überhaupt keine KI-Use-Cases umgesetzt haben, so die Umfrage. „Erschreckend“ fand dies DSAG-Vorstandsvorsitzender Jens Hungershausen anlässlich der heutigen Vorstellung des Reports.
Weitere aufschlussreiche Zahlen: Von diesen 51 Prozent haben mehr als drei Viertel KI-Szenarien mit Non-SAP-Lösungen in Produktion bzw. Nutzung, nur drei Prozent setzen hier auf SAP. Dies sei allerdings zu relativieren, denn, so Hungershausen, „für einen Use-Case im SAP-Umfeld gelten andere Anforderungen als für die Nutzung von z.B. Standardlösungen auf der Basis von Large-Language-Modellen.“ Immerhin 26 Prozent führen einen Proof-of-Concept mit SAP-Lösungen durch.
Die Zurückhaltung beim Thema KI erklärt sich die DSAG mit komplexen Lizenzmodellen sowie heterogenen Systemlandschaften und leitet daraus ein Signal an SAP ab. KI-Anwendungen brauchen die Cloud, doch arbeiten viele Unternehmen noch mit On-Premises-Systemen oder stark individualisierten Landschaften, in denen solche Innovationen bislang nur eingeschränkt nutzbar sind. Dabei wird, so Hungershausen, die Cloud nicht grundsätzlich in Frage gestellt, aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müssten stimmen.
Weitere Ergebnisse des diesjährigen Investitionsreports: SAP bleibt für Anwenderunternehmen relevant, bei Investitionsentscheidungen agieren sie jedoch gezielter und kritischer. S/4HANA nimmt weiter an Fahrt auf. On-Premises ist hier noch häufiger die Wahl. S/4HANA On-Premises liegt mit 56 Prozent erstmals vor SAP ECC bzw. der alten SAP Business Suite mit 54 Prozent.
Cloud-Modelle, neue SAP-Zielbilder und KI stoßen auf Interesse, müssen ihren wirtschaftlichen Nutzen jedoch erst beweisen. Neu war die Frage nach der Identifikation mit dem SAP-Zielbild der SAP Business Suite, also dem Zusammenspiel von Cloud-ERP, SAP Business AI, BDC und BTP. 35 Prozent der Befragten orientieren sich sehr stark/stark daran, 62 Prozent weniger stark oder gar nicht. Umdrehen ließe sich das Verhältnis laut DSAG nur bei klareren Aussagen zum Mehrwert, zur Integration in bestehende Landschaften und zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit.
Nicht alle Unternehmen werden die S/4HANA-Transformation bis 2027 abgeschlossen haben und nehmen somit höhere Wartungskosten in Kauf. Die Ergebnisse machen aus DSAG-Sicht deutlich: Investitionsentscheidungen folgen weniger Visionen als vielmehr der Frage nach Umsetzbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Integrationsfähigkeit.
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Frank Zscheile